Der Weg nach Haid

(Teil 1)

Gemmer af d`Hoid

"In der Hoid, in der Hoid
san latter schöi Moid."

Schon als Kind hörte ich diesen Reim ungezählte Male von meiner Mutter. Leider habe ich vergessen, wie er weiterging. Es war ein Aufheiterungsspruch, zu dem mich meine Mutter in die Arme nahm, wenn ich am Abend müde war und quengelte. Und am Ende dieses Mundartreims kitzelte sie mich unter den Armen, daß ich lachen mußte.

Eine uralte Erfahrung drückte sich wohl in diesem Reim aus: "In der Hoid san latter schöi Moid". Das mußte nicht bedeuten, daß die Haider Mädchen hübscher waren als die aus dem Umland. Aber in die Stadt Haid mit ihren vielen, regelmäßig abgehaltenen Märkten und zum alljährlichen Loreto-Fest mit der Wallfahrt kamen an solchen Tagen Tausende von Menschen von weither, die Frauen und Mädchen vom Land in ihrer schmucken Tracht mit bunten Schürzen, weitärmeligen Blusen, reich bestickten Miedern und schön geschmückten Hauben, "latter schöi Moid". Man wollte etwas sehen, aber auch gesehen werden.