Der Weg
nach Haid
(Teil 5)
Den etwas kürzeren Fußweg von
der Altmühle über Innichen nach Haid benutzten in den späten
30er Jahren auch die Kinder der tschechischen Familie Bergler,
wenn sie tagtäglich den weiten Weg zu Fuß in die tschechische
Schule nach Haid gingen. Die Bergler waren nach Gründung der
Tschechoslowakischen Republik in das Armenhaus von Neuzedlisch
eingewiesen worden, und die Gemeinde hatte sie zu versorgen.
Josef Bergler, der aus dem deutschen Ort Neudörfl in Nordböhmen
stammte, war im 1. Weltkrieg als Soldat schwer verwundet worden,
hatte ein Bein verloren und lief mit Stock und Prothese.
Er selbst und seine in
Neuzedlisch heranwachsenden vier Kinder sprachen ebenso
selbstverständlich deutsch wie alle anderen Dorfbewohner. Seine
Frau Aloisia stammte aus Prag, sprach wenig deutsch und ging
selten unter die Leute. Doch hatte die Bergler-Familie im Dorf
keinerlei Schwierigkeiten. Die Leute machten nur deshalb ihre Späße,
weil sie wußten, der Bergler fängt und schlachtet ab und zu
einen Hund zur Bereicherung seiner Küche.
Die Kinder besuchten auch zunächst
die deutsche Volksschule in Neuzedlisch. Als Oberlehrer Josef
Riedel eines Tages die beiden älteren Kinder der Bergler -
ebenso wie deutsche Mitschüler - nachsitzen ließ, weil sie die
Hausaufgabe nicht ordentlich gemacht hatten, kam der Vater in die
Schule, schlug mit seinem Stock an die Tür und schrie: "Lali,
Pepi, marsch ham!"

