Der Kirchenweg nach Altzedlisch

(Teil 1)

Der "Kircherweech af Zettlesch" wurde sehr oft begangen. Unsere Vorfahren begleitete er sozusagen durch ihr Leben. Möglichst schon am Tage nach der Geburt hat in fürsorglicher Begleitung der Pate "s` Böiwl" oder die Patin "s Meudl" gut eingewickelt zur Taufe in die Kirche nach Altzedlisch getragen. Und nach dem Tode, auf dem letzten Weg zum Friedhof hielt der schwarze Wagen mit dem Sarg neben dem großen Dorfkreuz beim Ortsausgang noch einmal an.

Die Trauergemeinde sprach für den Verstorbenen zum Abschied von seinem Heimatdorf ein gemeinsames Gebet. Dann zogen die Rosse an. Die Angehörigen, die Vorbeterin und von fast jedem Haus wenigstens eine Person, so bewegte sich der Leichenzug durch die Flur. Zur Rechten stand in den Peintwiesen das "Baalakreiz" und ein Stück weiter ein uralter steinerner Bildstock, zur Linken waren die Kirlingäcker und der Kirchweiher. Hier endete die Neuzedlischer Flur.

Dann stieg der Weg leicht an und machte einen weiten Bogen durch die Altzedlischer Flur bis hin zur nächsten einprägsamen Wegmarke, der "Zettlescher Kapelln" neben einer mächtigen alten Linde. Der Friedhof wurde sichtbar, die benachbarte Kirche schaute mit ihrem Zwiebelturm und der aufgesetzten Laterne über die hohen Bäume hinweg. An Sonn- und Feiertagen nahmen diesen Weg auch die Kirchgänger.